Kaum ein Thema wird beim Piercingschmuck so oft halbrichtig erzählt wie Nickel. Hier ist die ganze Geschichte — mit dem einen Unterschied, auf den es wirklich ankommt.
Der Unterschied, auf den es ankommt: Gehalt ist nicht Abgabe
Ja, Implantatstahl enthält Nickel — rund 10 bis 14 Prozent. Und trotzdem vertragen ihn selbst empfindliche Menschen. Wie das zusammenpasst? Entscheidend ist nicht, wie viel Nickel in einem Material steckt, sondern wie viel davon an deine Haut abgegeben wird. Beim 316L/LVM-Stahl hält eine geschlossene Oberflächenschicht aus Chromoxid den Nickel im Material — er ist drin, aber er kommt praktisch nicht heraus.
In dermatologischen Studien wurde sogar Nickelallergikern Schmuck aus 316L-Stahl gesetzt — ohne dass die Testpersonen darauf reagierten, trotz des Nickelgehalts von über 11 Prozent. Angst vor dem Nickel im Implantatstahl zu haben ist ein bisschen wie die Angst, sich beim Spazierengehen die Füße zu verbrennen, weil der Erdkern glühend heiß ist: Er ist da — aber er erreicht dich nicht.
Genau diesen Unterschied hatte die EU 1994 übersehen: Die damalige Nickelrichtlinie verbot Erstschmuck nach dem Gehalt — und verbannte damit ausgerechnet das Material, das die Medizin seit Jahrzehnten implantiert. Zehn Jahre später wurde nachgebessert: Seit 2004 zählt die Freisetzung, nicht der Gehalt. Heute leben diese Regeln in der REACH-Verordnung weiter.
Die Regeln, die heute wirklich gelten
Damit du nicht glauben musst, was auf Verkaufsetiketten steht — das ist der rechtliche Stand, in Klartext übersetzt:
| Regel | Was sie besagt |
| REACH-Verordnung, Anhang XVII Nr. 27 | Die europäische Chemikalienverordnung hat die alte Nickelrichtlinie abgelöst. Für Schmuck in frisch gestochenen Piercings gilt: höchstens 0,2 Mikrogramm Nickelabgabe pro Quadratzentimeter und Woche. Für sonstigen Schmuck mit längerem Hautkontakt: höchstens 0,5. |
| DIN EN 1811 | Das genormte Prüfverfahren, mit dem die Nickelabgabe gemessen wird — danach sollte der Prüfnachweis deines Schmucks ausgestellt sein. |
| ISO 5832-1 | Die Norm für chirurgischen Implantatstahl. 316L und 316LVM erfüllen sie — deshalb heißt er Implantatstahl. |
Und mein Rat aus fast dreißig Jahren: Lass dir im Zweifel das Prüfergebnis des Materials zeigen — in jedem Studio. Bei mir musst du nicht erst fragen.
Trotz der Distanz von 630km, war mir nach langer Recherche klar, dass nur das Piercingstudio von Heike in Frage kommt.
Wenn du (vielleicht) allergisch bist: so gehen wir vor
Sag es mir — am besten schon in der Beratung, spätestens im Einwilligungsbogen, den du vor deinem Termin bequem online ausfüllst: Dort frage ich deine Gesundheitsangaben ohnehin ab, und eine bekannte Allergie gehört genau dorthin. Wir wählen dann gemeinsam das Material, das zu deiner Situation passt — bei einer ärztlich festgestellten starken Nickelallergie zum Beispiel Titan, Niob oder PTFE.
Und ein ehrliches Wort: Ob du wirklich eine Nickelallergie hast, klärt ein Allergietest beim Hautarzt — nicht das Internet und auch nicht ich. Juckende Stellen unter dem Modeschmuck-Ohrring sind ein Hinweis, aber keine Diagnose. Was ich dir dagegen sicher sagen kann: Mit geprüftem Schmuck und dem richtigen Material ist eine Nickelempfindlichkeit für dein Wunsch-Piercing fast nie das Aus.
Die Vorgeschichte in Heikes Archiv: Materialverordnung für Piercingschmuck · dazu passend: Titan, Stahl, Gold im Vergleich
Die häufigsten Fragen zur Nickelallergie
Ich habe eine Nickelallergie — kann ich mich überhaupt piercen lassen?
In aller Regel ja. Entscheidend ist die Materialwahl — und dass ich vorher von deiner Allergie weiß. Genau dafür sind Beratung und Einwilligungsbogen da.
Auf meinem Schmuck steht „nickelfrei“ — bin ich damit sicher?
„Nickelfrei“ ist ein Werbewort, kein Prüfergebnis. Verlässlich ist der Nachweis der Nickelabgabe nach DIN EN 1811 — den darfst du dir in jedem Studio zeigen lassen.
Mein Piercing juckt und ist gerötet — ist das eine Allergie?
Das kann viele Ursachen haben, von normaler Heilung bis Reizung — aus der Ferne stelle ich keine Diagnosen. Schick mir gern ein Foto für eine ehrliche Ersteinschätzung; hält die Reaktion an, gehört sie zum Hautarzt.
Warum reagiere ich auf Modeschmuck, aber nicht auf mein Piercing?
Weil billiger Modeschmuck oft deutlich mehr Nickel abgibt als geprüfter Piercingschmuck. Der Grenzwert für frisch gestochene Piercings ist der strengste von allen — geprüfter Erstschmuck ist darum oft verträglicher als die Kette vom Wühltisch.
Erzähl mir von deiner Haut — ich hör zu
Allergien, empfindliche Haut, schlechte Erfahrungen: In der Beratung finden wir das Material, das zu dir passt.
Termin online buchen
Damit ich mir ausreichend Zeit für dich nehmen kann, ist eine Terminvereinbarung unbedingt erforderlich.
Termin online buchenOder ruf an: 03578 309406 · 0172 3704075
