Erst mal: ruhig bleiben. Nicht jede Rötung ist eine Entzündung, und nicht jede Entzündung ist ein Drama. Hier steht, was du jetzt tust — und wann die Stelle zum Arzt gehört.
Erst einschätzen: Reizung oder Entzündung?
Ein frisches Piercing ist während der Abheilphase eine offene Wunde. Dass es in den ersten Wochen gerötet ist, etwas anschwillt und gelbliches Wundsekret (Lymphe) absondert, das zu Kruste wird, ist Teil der normalen Heilung — kein Alarmsignal.
Auch später gilt: Ein Piercing kann längst zur Ruhe gekommen sein und dann noch einmal anfangen zu nässen, mit leichten Entzündungszeichen. Das passiert, wenn dein Immunsystem belastet ist — eine Erkältung, Stress, bei Frauen die Periode. Solche Phasen können je nach Piercing bis zu einem Jahr nach dem Stich auftauchen. Dann heißt es: wieder ein paar Tage pflegen, nicht in Panik verfallen.
Leider hat mich letzte Woche eine Erkältung erwischt und wie Heike vorhergesagt hatte, ist eine leichte Entzündung nun auf einmal da … Heike hat mir erklärt, dass es bis zu einem Jahr bis zur kompletten Abheilung dauern kann und zwischendurch können Rückschläge durch Immunschwäche wie Erkältungen, Stress etc. ausgelöst werden.
Die drei Regeln, wenn es zwickt
Erstens: Der Schmuck bleibt drin. Das ist die wichtigste Regel überhaupt. Nimmst du bei einer Entzündung einfach den Schmuck heraus, kann sich die Entzündung im geschlossenen Stichkanal einkapseln — und dann wird alles schlimmer statt besser.
Zweitens: Pflege konsequent, aber richtig. Zwei- bis dreimal täglich mit Prontolind besprühen, die Kruste erst aufweichen lassen und dann mit einem fusselfreien Tuch ablösen — niemals abkratzen, schon gar nicht mit Fingernägeln, und den Schmuck nicht bewegen, solange Kruste dransitzt. Finger weg von Octenisept, Teebaumöl, Salzwasser und unverdünntem Wasserstoffperoxid — und benutze nie mehrere Mittel gleichzeitig.
Drittens: Lass die Stelle in Ruhe. Nur mit frisch gewaschenen Händen anfassen, kein Oralkontakt, keine fremden Körperflüssigkeiten — und Schwimmbad, Sauna und Solarium sind tabu, bis alles abgeheilt ist. Eine Entzündung kann im Ernstfall zu einer Blutvergiftung führen; genau deshalb nimmst du sie ernst, statt sie auszusitzen.
Wann du zum Arzt gehst — ohne Zögern
Ich sage es in jeder Aufklärung und schreibe es auch hier: Trotz sorgfältiger Arbeit kann es zu Infektionen und allergischen Reaktionen kommen — und dann gehört die Stelle in ärztliche Behandlung. Warnzeichen, bei denen du nicht erst mir schreibst, sondern zum Arzt gehst: starke oder zunehmende Schmerzen, Fieber, eine Rötung, die sich sichtbar ausbreitet, eitrige Absonderung.
Such dir dabei möglichst einen Arzt, der Erfahrung mit Piercings hat. Und ein ehrlicher Hinweis, den ich niemandem erspare: Seit dem 01.07.2008 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten für Schäden durch Piercings nicht mehr — die ärztliche Behandlung ist eine Privatleistung.
Und in allen anderen Fällen: Frag mich — nicht die Freundin
Wenn du unsicher bist, ob das noch normale Heilung oder schon ein Problem ist: Schick mir eine Nachricht über das Kontaktformular, gern mit einem Foto — das bleibt diskret, und du bekommst meine ehrliche Einschätzung. Ich mache das seit 1997; frag mich und nicht die Freundin oder die Nachbarn. Meine komplette Pflegeanleitung findest du unter Pflege eines Piercings.
Kurz beantwortet
Soll ich den Schmuck rausnehmen, wenn es entzündet ist?
Nein — auf keinen Fall einfach herausnehmen. Die Entzündung kann sich sonst im Stichkanal einkapseln und alles verschlimmern. Erst einschätzen lassen: von mir oder, bei den Warnzeichen oben, vom Arzt.
Mein Piercing war monatelang ruhig und nässt jetzt wieder — ist das normal?
Das kommt vor, wenn dein Immunsystem gerade belastet ist — Erkältung, Stress, Periode. Dann für ein paar Tage wieder pflegen wie am Anfang. Solche Phasen können bis zu einem Jahr nach dem Stich auftreten. Wird es trotzdem schlimmer: melden.
Womit soll ich pflegen — und womit nicht?
Ich empfehle Prontolind, zwei- bis dreimal täglich. Nicht geeignet: Octenisept, Teebaumöl, Salzwasser, unverdünntes Wasserstoffperoxid — und Salben oder Cremes, die den Stichkanal verstopfen. Nie mehrere Mittel gleichzeitig.
Ab wann muss ich wirklich zum Arzt?
Bei starken oder zunehmenden Schmerzen, Fieber, sich ausbreitender Rötung oder Eiter — dann sofort, ohne erst abzuwarten. Im Zweifel lieber einmal zu viel als einmal zu spät.
Unsicher? Dann frag zuerst mich
Foto über das Kontaktformular schicken oder in Ruhe sprechen — telefonisch, im Studio oder per Videomeeting.
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